Von Hohlköpfen, Ohrfeigen und Fairness
Bericht von Fansicht
Reaktion auf die Hooligan-Geschichte im Sonntags-Blick-Magazin vom 22. Juli 2007
Unter dem Titel «Hohlköpfe» druckt das Ringier-Sonntagsblatt ein «Plädoyer für mehr Härte» im Umgang mit Hooligans. Die Geschichte ist aus verschiedenen Gründen beispielhaft.
10 Jahre altes Bild als Aufmacher
Auf Blickfang geht der Artikel mit einem Bild aus dem alten Basler St.-Jakob-Stadion, das aus den 90er Jahren stammt. Es zeigt vier Kurzhaarige in Bomberjacke, wie sie VOR dem Zaun der Muttenzerkurve Fackeln und Rauch zünden. Dies war damals an jedem FCB-Heimspiel gängige Praxis, der Verein erlaubte dieses ritualisierte Zünden vor Spielbeginn. Die Fans wurden aufs Feld gelassen und nach Erlöschen der Fackeln wieder zurück in die Kurve. SF DRS sprach damals angesichts dieses Feuerwerks von der «einzigartigen Stimmung im Joggeli».
Unter diesem Aufmacherbild zeigen zwei kleinere Fotos einen FCB-Fan, der nach der gewonnenen Meisterschaft in Thun durch das Dach der Spielerbank stürzt sowie einen FCZ-Fan, der auf dem Rasen des St.-Jakob-Parks mit nacktem Oberkörper den Meistertitel 2006 bejubelt. Auf keinem der drei Bilder ist ein Akt der Gewalt gegen Leib und Leben auszumachen.
30 Bilder der «schlimmsten Prügler»
«So sehen die Leute aus, die unsern Sport zerstören wollen», überschreibt die Zeitung eine Auswahl von 30 Bildern, die «die schlimmsten Prügler an den Pranger stellen» sollen. Fansicht hat sich die Aufnahmen angesehen. 2 Bilder zeigen Männer mit Leuchtfackeln. 7 Bilder zeigen Männer, die sich auf dem Spielfeld befinden. 3 Bilder zeigen Männer, die in eine Prügelei verwickelt sind, wobei bei einem Bild nicht klar ist, ob der Gezeigte austeilt oder angegriffen wird. 2 Bilder zeigen Männer, die abgeführt werden. 1 Bild zeigt einen Mann, der sich ein Stück Tornetz rausschneidet. Auf den restlichen 15 Bildern sind z.T. wohl vermummte Männer zu sehen, keiner der 15 ist jedoch bei der Ausübung von Gewalt gegen Leib und Leben oder Sachen zu beobachten.
Definiert man grosszügig und der öffentlichen Meinung sowie dem BWIS folgend Fackeln als gewalttätiges Verhalten, geht man davon aus, dass Leute nicht grundlos abgeführt werden, taxiert man Tornetzschneiden als lebensgefährliche Sachbeschädigung und klassifiziert man Platzstürme als inakzeptabel, bleiben immer noch die Hälfte dieser «schlimmsten Prügler», bei denen man sich die vermeintliche Prügelei letztlich selbst hinzudenken muss. Weshalb der Sonntags-Blick genau diese Bilder auswählt, bleibt offen. Von vollkommener Willkür über weiteres belastendes Bildmaterial bis zu von der Polizei zur Verfügung gestellten Videoaufnahmen ist nahezu alles denkbar.
Fairness und Ohrfeigen
In einem Kommentar in derselben Ausgabe zieht der Sonntags-Blick-Chefredaktor über die «Weltwoche» her. Das einstige Qualitätsblatt sei heute leider nicht mehr der Fairness und der Aufklärung verpflichtet, bedauert man bei Ringier.
Ebenfalls in dieser Ausgabe und gleich neben einem Einspalter zur Hooligan-Datenbank feiert der Sonntags-Blick ein letztes Mal das Resultat seiner Umfrage, wonach eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer Ohrfeigen als Erziehungsmittel befürwortet.
Danke, Ringier
Fansicht unterstützt den Ringier-Verlag in seinen moralisch vollkommen unverdächtigen Bemühungen, den Schweizer Fussball, die Schweizer Kinderaufzucht und die Schweizer Medienwelt zu retten. Sobald sich erste Erfolge einstellen und die «Weltwoche» Ohrfeigen für Tornetzschneider fordert, werden wir darüber berichten.
Reaktion auf die Hooligan-Geschichte im Sonntags-Blick-Magazin vom 22. Juli 2007
Unter dem Titel «Hohlköpfe» druckt das Ringier-Sonntagsblatt ein «Plädoyer für mehr Härte» im Umgang mit Hooligans. Die Geschichte ist aus verschiedenen Gründen beispielhaft.
10 Jahre altes Bild als Aufmacher
Auf Blickfang geht der Artikel mit einem Bild aus dem alten Basler St.-Jakob-Stadion, das aus den 90er Jahren stammt. Es zeigt vier Kurzhaarige in Bomberjacke, wie sie VOR dem Zaun der Muttenzerkurve Fackeln und Rauch zünden. Dies war damals an jedem FCB-Heimspiel gängige Praxis, der Verein erlaubte dieses ritualisierte Zünden vor Spielbeginn. Die Fans wurden aufs Feld gelassen und nach Erlöschen der Fackeln wieder zurück in die Kurve. SF DRS sprach damals angesichts dieses Feuerwerks von der «einzigartigen Stimmung im Joggeli».
Unter diesem Aufmacherbild zeigen zwei kleinere Fotos einen FCB-Fan, der nach der gewonnenen Meisterschaft in Thun durch das Dach der Spielerbank stürzt sowie einen FCZ-Fan, der auf dem Rasen des St.-Jakob-Parks mit nacktem Oberkörper den Meistertitel 2006 bejubelt. Auf keinem der drei Bilder ist ein Akt der Gewalt gegen Leib und Leben auszumachen.
30 Bilder der «schlimmsten Prügler»
«So sehen die Leute aus, die unsern Sport zerstören wollen», überschreibt die Zeitung eine Auswahl von 30 Bildern, die «die schlimmsten Prügler an den Pranger stellen» sollen. Fansicht hat sich die Aufnahmen angesehen. 2 Bilder zeigen Männer mit Leuchtfackeln. 7 Bilder zeigen Männer, die sich auf dem Spielfeld befinden. 3 Bilder zeigen Männer, die in eine Prügelei verwickelt sind, wobei bei einem Bild nicht klar ist, ob der Gezeigte austeilt oder angegriffen wird. 2 Bilder zeigen Männer, die abgeführt werden. 1 Bild zeigt einen Mann, der sich ein Stück Tornetz rausschneidet. Auf den restlichen 15 Bildern sind z.T. wohl vermummte Männer zu sehen, keiner der 15 ist jedoch bei der Ausübung von Gewalt gegen Leib und Leben oder Sachen zu beobachten.
Definiert man grosszügig und der öffentlichen Meinung sowie dem BWIS folgend Fackeln als gewalttätiges Verhalten, geht man davon aus, dass Leute nicht grundlos abgeführt werden, taxiert man Tornetzschneiden als lebensgefährliche Sachbeschädigung und klassifiziert man Platzstürme als inakzeptabel, bleiben immer noch die Hälfte dieser «schlimmsten Prügler», bei denen man sich die vermeintliche Prügelei letztlich selbst hinzudenken muss. Weshalb der Sonntags-Blick genau diese Bilder auswählt, bleibt offen. Von vollkommener Willkür über weiteres belastendes Bildmaterial bis zu von der Polizei zur Verfügung gestellten Videoaufnahmen ist nahezu alles denkbar.
Fairness und Ohrfeigen
In einem Kommentar in derselben Ausgabe zieht der Sonntags-Blick-Chefredaktor über die «Weltwoche» her. Das einstige Qualitätsblatt sei heute leider nicht mehr der Fairness und der Aufklärung verpflichtet, bedauert man bei Ringier.
Ebenfalls in dieser Ausgabe und gleich neben einem Einspalter zur Hooligan-Datenbank feiert der Sonntags-Blick ein letztes Mal das Resultat seiner Umfrage, wonach eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer Ohrfeigen als Erziehungsmittel befürwortet.
Danke, Ringier
Fansicht unterstützt den Ringier-Verlag in seinen moralisch vollkommen unverdächtigen Bemühungen, den Schweizer Fussball, die Schweizer Kinderaufzucht und die Schweizer Medienwelt zu retten. Sobald sich erste Erfolge einstellen und die «Weltwoche» Ohrfeigen für Tornetzschneider fordert, werden wir darüber berichten.

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